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überwältigend negativ:

Der 08. August in Plauen

Wir sind überwältigt vom 08. August in Plauen. Vielen Dank an alle, die unseren Gegenprotest zum Projekt M1llion unterstützt haben.

Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie man den Protest sachlich einordnet. Einen guten Ansatz gibt der Artikel von t-online. Doch auch wir haben das Bedürfnis nach Einordnung. Wir lassen auf dieser Seite mehrere Perspektiven zu. Diese sind teilweise mit Belegen gestützt, aber nicht vollständig. Es gäbe noch so viel mehr zu sagen. Diese Auflistung dient vor allem dazu, unseren Frust abzulassen und vielfältigen Meinungen zum Protest Platz zu bieten.

Die Beiträge enthalten ironische Elemente. Zu Risiken und Nebenwirkungen schreiben Sie uns eine E-Mail. 

Gern nehmen wir auch eure Berichte auf, wenn sie über die Einordnung des Protestes als friedliche Massendemonstration hinausgehen. 

"Klassischer Rechtspopulismus" - Mitorganisator:in der Gegendemonstration

Deutschland liegt in Trümmern – so ist zumindest der Eindruck, wenn man sich die Reden auf der Bühne der Million-Demonstration ansieht oder zuvor die Aufrufe im Internet betrachtet hat. Doch es gibt eine Lösung dagegen. Das deutsche Volk steht endlich auf.

Angereist sind sie aus der gesamten Republik (und der Schweiz) – eine Tatsache, die jedem linken Protest sofort vorgeworfen würde: „Die staatlich bezahlte Antifa wird von überall her mit Bussen angekarrt.“ Der Unterschied liegt aber doch im Alter: Während es für junge linke Studierende schwer ist, sich für 15 € ein Busticket zu leisten, kommt gleich ein ganzer Tross an Wohnmobilen nach Plauen und verbringt ein schönes Wochenende hier. Ein Wohlstand, den man sich leisten können muss. Auch dafür geht man auf die Straße. Wenigstens war das Parken kostenlos – ein Schnäppchen bei den ansonsten hohen Spritpreisen. Dafür bezahlt haben die Steuerzahler, die Stadt Plauen. Gemeinsam mit dem Polizeieinsatz ein teurer Spaß.

Mit Deutschland- und Friedensfahnen wird also gegen alles demonstriert, was nicht niet- und nagelfest ist. Das sind Migranten. Das sind eine angeblich fehlgeleitete Wirtschaftspolitik oder auch zu viele Geschlechteroptionen, die den Redner auf der Bühne von RINK-Transporte gegen den Strich gehen. Aber vor allem sind es „die da oben“. Richtig konkret ist das nicht, aber für ein Feindbild ist es ausreichend. Feindbilder zu schaffen, ist wichtig für Rechtspopulismus. Produktive Lösungen für reale Probleme sind egal. Erstmal den Trümmerhaufen mit der Forderung „Merz muss weg“ vergrößern, was danach kommt, ist egal. Da läuft sicher was Gutes im Free-TV und die „Demokraten“ sind wieder beschäftigt.

Damals haben’s ja auch die Trümmerfrauen geregelt.

Diese Service-Mentalität eines Demokratieverständnisses ist typisch für die Anhängerschaft solcher Proteste.

Die Forderungen des Projektes M1llion sind so allumfassend und anschlussfähig, dass sich ein jeder darin wiederfindet. Das ist auch super wichtig für Rechtspopulismus.

Dabei sind viele Forderungen und Aussagen auf der Demo widersprüchlich.

Die Demonstrationen gegen die DDR ’89 waren gut – die DDR-Hymne singen ist auch gut. Faschismus ist links und links ist schlecht. Antifaschismus ist auch links, links bleibt schlecht. Wir sind das Volk, die kleinen Leute – sozialstaatliche Ausgaben sind abzulehnen.

Viele Teilnehmende sind so verwirrt, dass sie sogar vergessen, wie ihre eigene Landesflagge aussieht, und bereitwillig neben den rechtsextremen „Freien Sachsen“ laufen. Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und wenn mein Feindbild schwammig ist, dann ist der Freundeskreis umso größer: Freie Sachsen, die Heimat, Freies Thüringen, AfD – alles feine Leute, wenn man sich nicht über Politik unterhält.

Doch auf einer Demonstration ist das schwierig. So fordern viele auf Stickern und Plakaten „Remigration“ („Ausländer raus!“ für Menschen mit Schulabschluss) oder schwurbeln von gesteuerten Medien.

Da es zu keinem Zeitpunkt der Demonstration einen Ort gab, an dem man diese Forderungen oder Symbole nicht gesehen hat, wussten alle, auf welcher Demonstration sie sich befinden. Und dennoch machen alle mit, weil man mit dem gemeinsamen Hass auf Minderheiten so schön eine Eigengruppe und eine Fremdgruppe erstellen kann. Mit Deutschlandfahnen und „Remigration“ bekommt das Ganze einen nationalistischen Anstrich.

Das ist auch super wichtig für Rechtspopulismus.

Am Ende bleibt ein rechtspopulistischer Protest, der viele Probleme benennt, Feindbilder schafft und Wut bündelt, ohne tragfähige Lösungen anzubieten. Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Der Trümmerhaufen wird beschworen, die Verantwortlichen werden benannt – aber wie man ihn wieder aufräumt, bleibt offen.

Ganz offen bleibt die politische Lösung allerdings nicht. Denn im Hintergrund steht eine Partei, die sich selbst als Alternative zu den sogenannten „Altparteien“ inszeniert und für viele der auf der Demonstration vertretenen Positionen längst politische Angebote bereithält. Die vermeintlich einzig verbliebene Lösung für das ach so gegängelte Volk lautet damit: AfD wählen.

Natürlich hatte die AfD mit dem Protest M1llion nichts zu tun. Zumindest offiziell.

"DDR Bekanntschaften" - Demonstrationsteilnehmer:in
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