WortReich veranstaltet, die AfD wirbt: Wer am 9. November in der Festhalle über „Deutschland – Wohin?“ diskutiert
An der Hintertür der Festhalle
Die Festhalle Plauen ist nicht irgendein Veranstaltungsraum. Sie ist das größte Kultur- und Kongresszentrum der Stadt und bietet eine Bühne, die Reichweite, Öffentlichkeit und nicht zuletzt Seriosität vermittelt. Wer hier auftritt, steht mitten im öffentlichen Leben Plauens.
Genau deshalb lohnt ein genauer Blick darauf, wer diese Bühne für politische Veranstaltungen nutzt.
Am 9. November 2026 findet dort die Veranstaltung „Deutschland – Wohin?“ statt. Angekündigt sind Thilo Sarrazin, Hermann Binkert und Ulrich Vosgerau. Moderieren soll Roland Tichy. Veranstalter ist laut Festhalle „WortReich – Inh. Michael Sitte-Zöllner“. Die AfD Vogtland ist offiziell nicht Veranstalter – sie bewirbt den Abend jedoch auf ihrer eigenen Website.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Und zugleich eine Konstellation, bei der sich ein genauerer Blick auf Veranstalter, Gäste und politische Verbindungen lohnt.
Die Festhalle und ihre eigenen Grenzen
Dass politische Veranstaltungen in der Festhalle Konflikte auslösen können, ist in Plauen nicht neu. Bereits 2024 wurde über die Einmietung der AfD und die Frage diskutiert, wie bei Parteiveranstaltungen die Einhaltung der Regeln der Festhalle kontrolliert wird.
Diese Frage ist keineswegs theoretisch. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Festhalle sind bemerkenswert eindeutig. Der Mieter darf die Räume nicht für Veranstaltungen nutzen, auf denen „rassistisches, antisemitisches oder antidemokratisches Gedankengut“ dargestellt oder verbreitet wird. Mit seiner Unterschrift erklärt der Mieter außerdem, dass weder in Wort noch Schrift „Freiheit und Würde des Menschen verächtlich gemacht“ werden. Verstoßen Teilnehmende dagegen, muss der Mieter die Handlung unterbinden – gegebenenfalls unter Anwendung des Hausrechts.
Das sind hohe Ansprüche. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob in der Festhalle kontroverse oder rechte Meinungen geäußert werden dürfen. Selbstverständlich schützt die Meinungsfreiheit auch Positionen, die viele Menschen ablehnen.
Die Frage lautet vielmehr: Was bedeuten die selbst gesetzten Regeln der Festhalle in der Praxis – und wie werden sie durchgesetzt?
Politische Bühne ohne Parteilogo
Eine Strategie, die in Analysen der extremen Rechten immer wieder beschrieben wird, ist die Arbeit mit einem politischen „Vorfeld“. Gemeint sind Medien, Vereine, Initiativen, Publizisten und andere Akteure außerhalb der eigentlichen Parteistrukturen. Sie können Themen setzen, Begriffe verbreiten, Milieus miteinander verbinden und gesellschaftliche Debatten beeinflussen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jede konservative Veranstaltung und jeder AfD-nahe Referent automatisch Teil einer zentral von der AfD gesteuerten Strategie wäre. Eine solche Behauptung wäre nicht belegt.
Aber die Frage nach dem Vorfeld wird interessant, wenn Veranstaltungen formal unabhängig organisiert werden, zugleich aber personelle Verbindungen zur AfD bestehen und die Partei selbst für sie mobilisiert.
Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf „Deutschland – Wohin?“.